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Für
die, die es ganz genau wissen wollen Lese-
und/oder Rechtschreibschwäche - Legasthenie Vervielfältigung
erlaubt, Veränderungen, Kürzungen nur nach Rücksprache mit dem Verfasser.
Legasthenie
/ Dyskalkulie
sind keine Modeerscheinungen, sondern medizinisch nachweisbare
"Teilleistungsstörungen" auf dem Gebiet der Sprachverarbeitung /
Reproduktion bzw. im Zahlen-/Mengen-/Rechenbereich. Sie
sind nicht auf eine allgemeine Intelligenzschwäche zurückzuführen, sondern
setzen als Minimum eine normale Intelligenz (= IQ 90) voraus, und die
jeweils gemessenen Fehlleistungen im Deutschen/Rechnen müssen im deutlichen
Widerspruch (10 Punkte Differenz) zur jeweiligen Intelligenz des Betroffenen
stehen, um eine Legasthenie / Dyskalkulie zu begründen. Außerdem lassen
sich im Regelfall optische und/oder akustische Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen
nachweisen. Wie
zutreffend diese jahrzehntealte (und umstrittene) Definition ist, zeigen neueste
Hirnforschungsergebnisse (Galaburda u.a., Harvard
Medical School Boston, 1994),
die
im magnozellulären Verarbeitungsweg des linken Kniehöckers Veränderungen
nachweisen, welche als problemverursachend für diese
Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen einzustufen sind.
Bei
einer Legasthenie - dies gilt ebenso für eine Dyskalkulie - lassen sich
folgende "Verursachungsmomente" nachweisen, die wir vereinzelt
alle kennen und evtl. sogar teilen. In
Kombination und massiver Verflechtung miteinander verstärken sie sich jedoch in
ihrer Wirkung und werden legasthenie-/dyskalkulieverursachend: 1.
Die optische/akustische Wahrnehmungsfähigkeit
ist verlangsamt und/oder anders / "mangelhaft" entwickelt, d. h., die
Dinge werden langsamer erkannt bzw. falsch gedeutet und/oder verwechselt.
Ursachen sind dann nicht Fehlhörig- oder -sichtigkeit, sondern
Verarbeitungsstörungen im Gehirn (u. a. Dominanz linke/rechte Hirnhälfte). 2.
Eingeschränkte oder völlige Unfähigkeit der Lautdurchgliederung eines Wortes bzw. einer Zahlenkombination, d.
h., es werden nur bestimmte ,,Signalgruppen" als Buchstaben wahrgenommen,
die restlichen nicht oder nur unvollkommen; z. B. g/k, p/b, r/ch, ch/sch,
eu = oi = ö etc. können lautlich nicht voneinander unterschieden werden. Diese
Phänomene lassen sich beim "Hören", "Sprechen" und
beim "Lautieren" nachweisen. Z. B. Galgen = Algen, Plan = Blan
[= Ba(h)n], Braten = baten = raten, Brote = Bote = rote. Ähnliches lässt
sich auch beim akustischen Erfassen von Zahlen belegen; z. B. 2 =
3, 13 = 30,
88 =
18. 3.
Falscher eigener Sprachrhythmus,
unbewusste Artikulationsprobleme im Feinbereich.
(Evtl.
komplette Fehlspeicherungen, die zur Folge haben: objektiv
falsch - subjektiv richtig = kein
Handlungsbedarf). Diese Problematik fällt beim normalen Sprechen kaum auf,
wohl beim "Lautieren" eines Wortes: z. B.
L A R T Ä R N E ( = Laterne). 4.
Speicherschwäche (eingeschränkte
oder völlige Unfähigkeit, bestimmte
Symbole jederzeit zweifelsfrei zu erkennen und sie umzusetzen, z. T. liegt das
Unvermögen schon im akustischen Bereich oder bei der Umsetzung im Gehirn, wo
das Gehörte in eine Buchstabenfolge - eine sehr komplexe Leistung - umgesetzt
werden muss). [Die Buchstaben/Lautzuordnung ist ohnehin in der deutschen Sprache
schwierig: v = vau = w, f = ef, k = ka, q/qu = kw. (Wen wundert es, dass mancher
Legastheniker rd, bt, t, nd, ng, wg, nt, zl schreibt und Erde, bete, Tee, Ende,
Enge, Wege, Ente, Zettel meint?). Auch auswendig gelernte und
"gekonnte" Wörter (z. B. viel, vor, mir) werden später im Satz nicht
wiedererkannt! Das
gleiche Phänomen sieht man u.a. auch bei einer Dyskalkulie, wo sich die
Schwierigkeit, Zahlen akustisch zu erfassen, durch die unterschiedliche Sprech-
u. Schreibweise noch erhöht (siehe Punkt 7). Hinzu kommt häufig ein völliges
Unverständnis von Mengen und Größenverhältnissen und ihre Beziehung
untereinander. Die Menge „4“ oder „5“ ist demnach keine feste Größe,
sondern eine Variable, die permanent
erneut erarbeitet werden muss (Fingerzählen) und als Zahl keinerlei
Signalfunktion hat. Eine Unterscheidung zwischen Ordnungs- u. Kardinalzahl, die
den Rechenprozess erst ermöglichen würde, ist oft gar nicht erst möglich. In
Verbindung steht dieses Phänomen oft mit einem ganzheitlichen Denken, einer
allgemeinen Merkschwäche für fachspezifische Regelsystematiken sowie einer
"hauseigenen Logik", gewisse Dinge zu "sehen". (Wenn man die
Gedankengänge nachvollzieht, sind diese in sich durchaus logisch!). 5.
Mangelhaftes / fehlendes Wortbildgedächtnis
u. somit die Unfähigkeit,
a) ein geschriebenes Wort wiederzuerkennen,
b) es akustisch einzuordnen und es
c) im geschriebenen Zustand auf Deckungsgleichheit hin prüfen zu
können.
(Ähnlichkeiten
führen dann bereits zu " = Meldungen" : Balken = Balkon, schnaufen =
Schaufel, Schlag = Schlange, munter = Mutter, um nur ein paar einfache
Möglichkeiten zu nennen). Der
betroffene Mensch ertrinkt demnach buchstäblich im Meer der Buchstaben,
weil er sie in ihrer einzelnen Gestalt oder in ihren Kombinationen als
beliebige Riegnuh ( = Reihung) erfährt und sie somit für ihn ihrer Signalfunktion
beraubt sind. Besonders bei den häufig vorkommenden Wörtern ist aufgrund
der Buchstabensymbolähnlichkeit ein ständiges Verwirrspiel im Speicher
(m = n = u / p = d = q = b / f = t / d = g; mir = mit, -ung = und, mir
= wir, die = dir, wie = wir. So gehen auch häufig die Auslautendungen
„-en“/“-er“ etc. verloren; auch bei Zahlen sind
solche Ähnlichkeiten zu sehen: 4 =
7, 3 =
9, 8 =
3 etc.). 6.
Kein freier Datenzugriff, d. h.,
bestimmte Buchstabenkombinationen werden als bekannt, aber vom Gehirn als im
Augenblick nicht "zuordnungsbar" gemeldet; das kann auch aufgrund von
Fehldeutungen akustischer oder optischer Signale geschehen. Gleiches
gilt im Zahlenbereich: Das Entschlüsseln der Zahlen/Aufgabe 77 + 14 nimmt so
viel Raum in Anspruch, dass die damit verbundene Rechenoperation
"verloren" geht. 7.
Störung des serialen Gedächtnisses,
z. B. die gehörte Reihenfolge der Buchstaben wird anders, z. B. genau umgekehrt
wahrgenommen oder andere Buchstaben falsch bzw. überhaupt nicht (ihn = hin =
nih, Maus = Msau etc.). Mehrsilbige Wörter werden nur mit einer Silbe als
Gedächtnisleistung ,,behalten". Eine weitgehende Speicherung ist
unmöglich. Optische
Phänomene dieser Art sind ebenfalls feststellbar: Der dritte Buchstabe -
Konsonant - wird vorgezogen oder zurückgesetzt [Borke = Broken, Bord = Brot,
bald = Blad (Blatt)]. Die Konsequenz für den Leseprozess ist verheerend. Auch
bei der komplizierten Schreibweise von Zahlen im Deutschen (17 = 7 + 10, aber
11, 12 sind eine "feste Größe", ab 100 heißt es dann: 143 = 100 + 3
+ 40. Bei einem ohnehin "richtungsgestörten" Kind ist dies ein wahres
Labyrinth und eine zusätzliche Merk- und Speicherleistung, da bei ihm die
"Automation", die uns sonst als Entlastung dient, fehlt. 8.
Vokal- bzw. Konsonantenindifferenz,
d. h., die betroffene Person vertauscht unbewusst Vokale und Konsonanten und
ersetzt diese durch andere Vokale bzw. Konsonanten. Baden = Boden, leben =
loben. (Unsinnige Wortgebilde, die dabei entstehen können, werden nicht als
solche erkannt, da der Legastheniker häufig ein reduziertes Sprachempfinden
hat). 9.
Echo-Problem: Auslaut des letzten
Wortes wird unbewusst als Anlaut des Folgewortes übernommen, oder der Auslaut
eines Wortes wird zum Anlaut des selben Wortes gemacht etc. 10.
"Raum/Lagelabilität" als
optisches (und z. T. sprachmotorisches) Phänomen: b = d ( = p = q), m = n, ei =
ie, D = B, V = U = W, u = n, w = m, 66 = 99, 92 - 4 = 58, 66 - 9 = 90 etc. bzw.
generelle Richtungsprobleme (98 - 20 = 62. Rechnung: 90 - 20 - 8 = 62) oder
Einschränkungen des räumlichen Sehens mit den Entsprechungen für
mathematische "Größen": Kreis - Oval? Rechteck - Quadrat? Lang -
kurz? Oben - unten? Somit wird klar, dass bei Lageveränderungen von
Größen/Formen/Zahlen auch eine absolut gleiche Sache nicht als solche
wiedererkannt wird. Dieses
Problem muss keine Konstante sein, sondern kann innerhalb eines Wortes /
Rechnung wie ein Blitz punktuell auftreten und wechseln. Und jetzt ein Dreisatz
oder eine Bruchrechnung gefällig...? 11.
Koordinierungsprobleme, d. h.: unbewusst, bereits automatisiert ablaufende
Prozesse des Rechnens bzw. Sprachgebrauchs, die in Sekundenbruchteilen abgerufen
werden müssen (Hören, Wiedererkennen, Zuordnen, ,,Regelabfrage", Umsetzen
in die neue Situation etc. gelingen nicht gleichzeitig und schon gar nicht
automatisch, sondern bestenfalls als mühsamer Einzelprozess. Z. B.: „>“
- B edeutet
es nun größer oder kleiner? „+“ oder „x“ - was ist gemeint, „plus“
oder „malnehmen“?). Diese
Situation führt häufig zu permanenten Verwechslungen, Vertauschungen,
mehrmaligen Selbstkorrekturen bis hin zur völligen Ratlosigkeit. In
diesem Zusammenhang fällt auch die begrenzte Fähigkeit auf, Regelwissen
gezielt einzusetzen. 12.
Strukturierungsschwäche. Das Kind
kann sich Aufgaben schlecht einteilen, übersieht/überspringt ganze
Aufgabenteile, findet sich auf einem Arbeitsblatt nicht zurecht, (fängt an
"willkürlich" ausgewählten Stellen - in Wirklichkeit ist es
richtungsgestört! - eines Arbeitsblattes an zu arbeiten, liest/erfasst
Aufgabenstellungen falsch oder ungenau). Es kommt zum richtigen Ergebnis, das es
laut mitspricht und dann falsch aufschreibt. Es erkennt die Umstellung von + / -
/ x / : Aufgaben nicht oder viel zu
spät etc. Dieser
mangelnde "Überblick" lässt sich auch auf die Gesamtsituation im
Deutschen/Mathematik übertragen. Aufgrund des reduzierten Sprach- u.
Regelempfindens des Legasthenikers bzw. des fehlenden
"Vorstellungsvermögens" von einem mit einer Dyskalkulie belasteten
Menschen fallen beiden ihre eigenen unsinnigen Lösungen / Ergebnisse nicht auf.
Beim einen b/Betten die Menschen in der K/Girsche, beim anderen sind es 13,32
Personen, die dies tun. Alle
diese Probleme erzeugen beim Versuch ihrer Bewältigung einen erhöhten
Konzentrationsaufwand bei dem Betroffenen und führen somit auch schneller zu
einem Ermüden, was häufig als genereller Konzentrationsmangel
missverstanden wird. In ihrer Bündelung erzeugen diese Symptome (Punkte 1 - 12)
eine schwere Legasthenie / Dyskalkulie. Eine
Diagnose kann z. B. an einer
Universitäts-/Kinderklinik oder durch niedergelassene Fachärzte - evtl. unter
Hinzuziehung eines Legasthenie-/Dyskalkuliespezialisten oder eines staatlich
anerkannten Instituts - sicher gestellt werden. Hilfe:
Sie kann im
Regelfall nur durch einen erfahrenen Therapeuten geboten werden und auch nur
dann, wenn das Kind selbst will. Therapie
deshalb, weil eine Legasthenie/Dyskalkulie grundsätzlich andere
Lehr- und Lernmethoden als die schulischen erfordert und verschiedene
Legasthenie-/Dyskalkulieformen zu unterscheiden sind - damit auch
unterschiedliche Therapiemaßnahmen getroffen werden müssen. Aber auch der
Therapeut wird die Legasthenie/Dyskalkulie oft nur eingrenzen oder zurückdrängen
können, da er meist ein bestehendes und intaktes System überlagert. Für
den Betroffenen aber stellt dies dennoch einen erheblichen Fortschritt dar, weil
er erstmals über einen Kontrollmechanismus verfügt.
Für
die Eltern bleibt die Frage, wo finde ich diese Hilfe, und wie kann ich als
Außenstehender die Qualität der angebotenen Maßnahme einschätzen. Dazu
einige Hinweise: 1.
Die Qualität
ist nicht sofort überprüfbar, da eine Therapie bis zu zwei Jahren dauert, der
gesamte Lernprozess von Höhen und Tiefen gekennzeichnet ist, und sich zusätzlich
- durch das Voranschreiten in den schulischen Leistungsanforderungen - die
"Schere" im Leistungsbereich immer weiter öffnet.
Der/die
Therapeut/in bzw. die Institution sollte ausschließlich in der Legasthenie- und/oder Dyskalkulie-/
Fremdsprachenlegasthenie-Therapie arbeiten und nicht diese Bereiche unter
vielen anderen auch noch vertreten. Wollen
Sie Ihr Kind einer Institution anvertrauen, so prüfen Sie, ob die Lehrkräfte
dort ausschließlich arbeiten, oder ob sie als "jobbende"
Lehrer/Studenten nebenberuflich ein paar Stunden im Bereich Hausaufgabenhilfe
und/oder Legasthenie etc. tätig sind. Eine
gut organisierte und strukturierte Therapie, die nicht dogmatisch
durchgeführt wird und sich am Kind orientiert, kann in ca. 100 - 120 Stunden
eine Legasthenie deutlich zurückdrängen bzw. eingrenzen und trainiert
verschiedene Bereiche (siehe Punkte 1 - 12) gleichzeitig und im permanenten
Wechsel mit individuellen Schwerpunkten (vor allem Wahrnehmungsverarbeitung). Sie
stellt sich nach Abschluss der Therapie mittels eines normierten Tests einer
Erfolgskontrolle. 2.
Hilfen
werden - je nach Problemart - von Psychologen, Ergotherapeuten, Heilpädagogen,
Logopäden, Motopäden, Sonderschullehrern u. Legasthenie-/Dyskalkuliespezialisten
angeboten, doch sind diese oft wegen ihrer ungeschickten Placierung nicht sofort
im Telefonbuch auffindbar.
In
einer solchen Situation bekommen Sie u. U. eine geeignete Adresse von:
Zum
Abschluss
noch eine Bitte: Nehmen
Sie Ihr Kind aus dem unsäglichen Leistungsdruck heraus und verhindern Sie, dass
Schule zum Terror wird. (Das ist keine Absage an Leistungsanforderungen oder
Ablehnung des Leistungsprinzips!). Der Mensch mit einer Legasthenie/Dyskalkulie
ist völlig normal, d. h., er ist mit allen positiven u. negativen
Eigenschaften/Verhaltensweisen unserer Spezies ausgestattet (also u. a. auch
faul, was die Arbeit mit ihm nicht vereinfacht!).
Machen
Sie Ihrem Kind klar : a)
dass unsere Fehlerhaftigkeit eine Bedingung unseres Menschseins ist, die wir
alle auf unterschiedlichen Gebieten miteinander teilen, sonst wären wir
fehlerlos und damit "Götter", b)
dass wir Fehler und Schwächen aktiv bekämpfen müssen, auch wenn dieser Kampf
scheinbar aussichtslos scheint oder - wie oft bei schwereren Legasthenien - nur
ein begrenzter Erfolg möglich ist. Das
beinhaltet auch die bewusste Akzeptanz von Grenzen ohne Resignation!
Versuchen
Sie es, trotz aller Rückschläge, mit Beharrlichkeit und im sicheren
Bewusstsein, dass nur Sie Ihrem Kind helfen können, indem Sie ihm den
Weg ebnen, den Rücken stärken und gemeinsam das Problem zu bewältigen suchen! * Generell wird im offiziellen
Sprachgebrauch der Begriff „Legasthenie“ im schulischen und medizinischen
Bereich nicht mehr benutzt. Medizinischerseits wird statt „Legasthenie“ von
„Teilleistungsstörung“ gesprochen (ICD 10 F 81.1), während die
Schulbehörden - aus nachvollziehbaren Gründen ... - nur noch von „lese-
und/oder rechtschreibschwachen Kindern“ sprechen.
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